Mittwoch, 4. April 2007

 

Das Rockkonzert der Gruppe „Gra Fort“ fand doch nicht im Freien, sondern in einer kleinen Kneipe statt. Die Band hatte eine große Anlage aufgebaut, obwohl es wohl auch ganz ohne Verstärker gegangen wäre. Der Bandleader ist ca. 40 Jahre alt und sah schon etwas verbraucht aus. Ihm gehört auch die Kneipe. Gleich als ich rein kam, roch ich das „Gras“. Die Getränke waren sehr preiswert. Für zwei Becher Rotwein zahle ich 3 €. Später gab es die Getränke kostenlos. Die Musik hat mir gefallen, besonders die Geikas waren Klasse. Eine Geika ist eine Mischung aus Dudelsack, ohne Sack, und einer Klarinette. Gesine hielt eine flammende Begrüßungsrede, die von Applaus unterbrochen wurde. Gleich darauf gingen wir raus, um die Musik in normaler Lautstärke vor der Tür zu hören. Die Jugend hat sich gut amüsiert.

Ines war als blondes Mädchen sehr gefragt. Tinko musste den großen Bruder spielen und sie vor freundlichen Übergriffen beschützen. Ines hat es wohl gefallen. Nicole klagte am nächsten Morgen über den letzten Tequilla, der ihr wohl nicht wirklich bekommen war.

Das Bürgerkriegsmuseum von Corbera liegt nur 100 Meter vom neuen Bürgerkriegsmuseum, das aber noch im Bau ist, entfernt. Der Museumsleiter erzählt uns etwas über Bewaffnung und Munition der Franquisten und Republikaner. Er ist noch heute dabei Munition im Ebro-Tal zu entschärfen, sein Kollege ist dabei umgekommen. Es ist besonders viel deutsche Munition dabei. Eine aus Weiden geflochtene Kiste fällt mir auf, sie war das Behältnis für zwei deutsche Fliegerbomben. Man spürt richtig mit welcher Liebe in Deutschland Waffen hergestellt wurden.

 

Es sind über 100.000 Menschen in der Ebro-Schlacht gefallen und Franco hatte die gefallenen Marokkaner nicht einmal mit gezählt. Die Schlacht dauerte 115 Tage. Die Marokkaner hießen nur die Moros. Sie waren besonders brutal. Wir sehen auch ein Bild von Robert Capa. Später sollte er die berühmte Fotoagentur „Magnum“ gründen.

Auf unsere Bitte hin, zeigt uns der Museumsdirektor die alten Schützengräben der Republikaner. Er schließt einfach das Museum ab und wir fahren zu den Schützengräben. Die sehen aus wie gut gemauerte Keller. Wir klettern auch in Höhlen, die von den Republikanern als Unterstand und Schutz genutzt wurden. Casim schlüpft in jeden engen Tunnel und kommt nach wenigen Minuten an einer anderen Stelle wieder raus gesprungen. Casim geht nie einfach gerade aus. Er springt, klettert, ist oben und unten – unglaublich. 

Das Picknick findet wegen schlechten Wetters in der Wohnung der Jungs statt. Wir haben so gut gegessen und sind so müde, dass Gesine Mittagsschlaf anordnet. Die Jugend ist begeistert.

 

Am Nachmittag schauen wir uns die zerbombte Altstadt an. Corbera lag zwischen den Fronten. Es wurde von der Legion Condor vollständig zerbombt. In der Kirche hängt eine alte Fliegerbombe. Die Glocke wurde während des Krieges eingeschmolzen. Pepe hat die Altstadt in seiner Zeit als Bürgermeister wieder frei gelegt. Franco wollte die Altstadt in Vergessenheit geraten lassen. Er ließ Erde aufschütten und Pinien pflanzen und überließ die Altstadt dem Verfall. Pepe hat die Altstadt als Mahnmal herrichten lassen. Ein Alphabet führt durch die Stadt. Künstler haben zu jedem Buchstaben einen lyrischen Text geschrieben, die nur schwer zu übersetzen sind. Es geht um die Spanische Republik, Corbera und den Krieg.

 

 

Nach dem Abendbrot sehen wir einen Film über den 60. Jahrestag der Interbrigaden. Es wurden Zeitzeugen auf dem Weg nach Spanien befragt. Alle waren sie am Kampf gegen Franco beteiligt. Auffallend ist die Betonung der Streitigkeiten unter den Linken. Franco, der Hauptfeind, war in diesem Film etwas unterbelichtet.

Jordi erzählt mir, dass Zapatero, der Ministerpräsident Spaniens, ein sehr gutes Verhältnis zu den Interbrigadisten hat. Sein Großvater stand auf der Seite der Republik. Philip Gonzales Vater war wohl bei den Franquisten.