LINZ

& BESUCH BEI ANNA HACKL

…Spuren aus der Vergangenheit

 

- 6.Juni 2009 -

 

Der dritte Tag unserer Studienreise brachte uns in die schöne Stadt Linz. Nach frühem Aufstehen erreichten wir die Kulturhaupstadt 2009. Dort erwartete uns schon Margarete, unsere Stadtführerin. Wir saßen kurz am Ufer der Donau und sie erläuterte uns kurz einige wichtige Informationen über die Stadt. Dann fing unser Stadtrundgang richtig an. Linz empfing uns schon mit einem tollen Anblick, als wir über die Brücke auf die Stadt zu liefen.

Wir schlenderten über den großen Hauptplatz, der einen zentralen Punkt für die Bewohner darstellt. Weiter ging es zur ältesten Kirche von Linz, der Martinskirche. Auf dem Weg kamen wir an dem Haus vorbei, in dem der junge Wolfgang Amadeus Mozart zeitweise gelebt hatte. Das war natürlich allen ein Foto wert. Von der Kirche und dem Schloss aus, welche sich hoch über Linz erheben, hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt und ihre schöne Umgebung.

Gen Mittag übertönten unser Bauchgrummeln sogar Margaretes emsige Geschichten und Fakten über Linz, dass es uns zur nächsten Pizzeria trieb. Bizarrerweise befand diese sich gegenüber von dem Gebäude, das bei unserer Ankunft in Brand geraten ist. Dieses spektakuläre Ereignis, welches aus jedem Radiosender aufgeregt berichtet wurde, war schuld, dass wir nur mühsam voran kamen. Und dabei wollten einige doch einfach nur ins Hotel eigene Bett und so richtig schlafen…

Nachdem sich alle nach Herzenslust satt gefuttert hatten, konnten wir unseren Rundgang fortsetzen. Unsere Stadtführerin brachte uns nun zur Linzer Synagoge, die in der Progromnacht wie so viele andere von den Flammen der Nationalsozialisten zerstört worden ist. Unsere Enttäuschung von der neu aufgebauten Synagoge war nicht zu verbergen. Ein hässlicher weißer Betonklotz starrte uns an, der so gar keine Ähnlichkeit mit  einer Synagoge hatte.

Immer wieder blieben wir an weißen Grafittizügen, die auf die Straßen gemalt wurden, stehen. Es waren Anekdoten aus der NS-Zeit, die von den Grausamkeiten der Nationalsozialisten berichteten.

Eigentlich wollten wir dann mit der Straßenbahn auf den großen Berg fahren um noch einmal einen schönen Ausblick zu bekommen, jedoch verschoben wir dies und konnten jetzt selbstständig durch die Stadt bummeln.

Wir entschlossen uns alle, ein nettes Cafe zu suchen um uns dort gemütlich hineinzusetzen. Wir fanden auch eines und als wir gerade draußen saßen, fing es furchtbar an zu regnen. Wir kauerten uns alle unter die (Sonnen-) Schirme, um nicht nass zu werden. Glücklicherweise dauern solche Platzregen nicht lange und es konnte wieder jeder auf seinem Stuhl sitzen.

Als wir  alle wieder am Auto eintrafen (einige früher, andere später), wollten wir nur noch eins: ins Hotel. Doch kaum dort angekommen, überraschten uns Tinko und Klaus mit der Nachricht, dass Anna Hackl ihren Termin mit uns für den nächsten Tag abgesagt hätte. Doch ganz spontan bot sie uns an, sie noch am selben Abend  in ihrem Haus zu besuchen. Es stand uns allen frei, ob wir mitkommen wollten, doch natürlich ließ sich niemand dieses einzigartige Erlebnis, diese Frau kennen zu lernen und vor allem ihre Geschichte zu erfahren, entgehen.

So fuhren wir gegen 20 Uhr los und wurden sehr herzlich von der alten Dame und ihrem Ehemann begrüßt. Ehrfürchtig betraten wir das Haus, in dem sich vor rund 60 Jahren dieser wunderbare Akt der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit ereignete. Anschaulich und mit vielen Fotos erzählte uns Frau Hackl, wie ihre Mutter zwei sowjetische Kriegsgefangene, die zusammen mit 500 Kameraden aus dem KZ Mauthausen geflohen sind, aufnahm. Zusammen mit der Bevölkerung der umliegenden Dörfer gingen die SS-Leute damals auf die Jagd nach den Gefangenen. Sobald einer gesichtet würde, sollte er erschossen, erschlagen, erstochen oder sonst wie getötet werden. So entstand der Name „Mühlviertler Hasenjagd“.

Wir hatten schon in den vergangen Tagen viel über diese Mühlviertler Hasenjagd gehört, doch der Bericht der Zeitzeugin, die alles miterlebt hatte, war sehr anrührend.

Den Mut der Familie Hackl bewunderten wir alle sehr. Es ist schön zu wissen, dass es auch damals Menschen gab, die erkannten, dass die sogenannten „Feinde“ gar keine waren. Menschen, die nicht alles blind und ignorant glaubten, was man ihnen versuchte einzureden.

(Sina)