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NEBENLAGER MELK
KZ-FRIEDHOF EBENSEE
PICKNICKEN
TRETBOOTFAHREN
…zwischen Idylle und Schrecken
- 8. Juni 2009 -
Wir fuhren durch Berge und an Seen vorbei
und kamen in ein kleines typisch österreichisches Dörfchen.
Klaus fragte mich, ob ich es mir vorstellen könne, hier zu
leben. Wir Großstädtler konnten es beide nicht.
Wir besichtigten ein kleines Museum, das uns noch einmal
durch Geschichte des Faschismus in Österreich führte. Mit
der Leiter des Museums fuhren wir in das ehemalige
Nebenlager Mauthausens, Melk. Nichts ist mehr übrig von dem
Konzentrationslager. Stattdessen stehen nette
Einfamilienhäuser an seiner Stelle. Diese scheinbare, ja
heuchlerische Familienidylle schockierte uns sehr. Wie man
hier nur leben kann, fragten wir uns. Auf diesem Fleck, wo
so schreckliche Dinge geschehen sind. Menschen gequält und
grausam ermordet. Dieses Dorf war ein weiterer Beweis für
Österreichs Verdrängungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg.
Man wollte sich nicht mehr mit der Vergangenheit
auseinandersetzen. Nicht mehr daran denken. Einfach alles
vergessen. Alles, was daran erinnert, zerstören.
Nur ein paar Meter entfernt befand sich ein Bergwerk, das
von KZ-Häftlinge errichtet worden war. Geplant war, dort
Raketen herzustellt. Doch es wurde nie benutzt. Ich weiß
noch genau, es war sehr heiß an dem Tag, doch in diesem
Bergwerk war es eisig. Feuchtigkeit und Kälte krochen an uns
empor, während uns von der grausigen Ausbeutung und den
furchtbaren Bedingungen der Arbeiter berichtet wurde. Zum
Schluss war es kaum noch auszuhalten, in diesen dunklen,
riesigen Schächten, die doch so erdrückend wirkten. Ich
glaube, jeder von uns atmete erleichtert auf, als die
Sonnenstrahlen wieder unsere Gesichter berührten.
Die schöne Umgebung veranlasste uns endlich unser erstes und
einziges Gruppenfoto zu machen.
Nun besuchten wir den mitten im Dorf liegenden KZ-Friedhof.
Hier wird all derer gedacht, die hier gestorben sind. Wieder
für mich unerklärlich, wie man hier mit seinen Kindern
direkt nebenan wohnen kann. Jeden Morgen aus der Tür treten
und die Gräber tausender unschuldig Ermordeter zu sehen. Der
Museumsleiter erzählte uns, dass die Bewohner nie an
Gedenkveranstaltungen teilnähmen und ihnen Besuchern der
Gedenkstätte nicht gerade willkommen wären. Wir legten alle
eine Rose auf dem Friedhof ab. Nachdenklich betrachtete ich
die Häuser noch ein letztes Mal, als wir wegfuhren. Ein
seltsamer Ort.
Wir freuten uns alle, denn es war wieder ein Picknick
geplant. Diesmal am Ebensee. Herrlich umrahmt von riesigen
Bergen, saßen wir an Holztischen oder auch auf der Wiese und
genossen diesen wunderbaren Augenblick der Gemeinsamkeit.
Mit vollen Bäuchen machten wir uns auf den Weg zum
Bootsverleih. Zwar gab es nur Tretboote, doch auf dem See
herumzuschippern machten uns allen super viel Spaß. Fiete
ist sogar ins Wasser gesprungen und Tinko fischte sogar
einen Schuh aus dem Wasser. „Wilde“ Verfolgungsjagden wurden
veranstalten und kleine Kollisionen. Doch wir kamen alle
heil am Ufer an und wollten eigentlich gar nicht aussteigen.
Da es unser letzter Abend war und wir das Abendessen
verpasst hatten, bestellten wir Pizza für alle. Noch einmal
saßen wir alle zusammen. Unsere Reise wurde ausgewertet -
von jedem einzelnen. Wir waren uns alle einig, dass wir eine
wunderschöne Zeit zusammen verbracht hatten. Wir verstanden
uns alle super gut und hatten viel Spaß. Besonders schön
war, dass auch Gesine, Klaus und Tinko das genauso sahen.
Jeder von uns Jugendlichen hatte seine speziellen Momente
mit allen drein.
Unsere Tagesprogramme hatten uns jeden Tag aufs Neue
begeistert. Sie waren stets vielseitig, interessant und wir
hatten so viel Neues erfahren, dazugelernt, in uns
aufgenommen, dass wir das erst einmal verdauen müssen. Jeder
weiß über die Schreckensherrschaft in Deutschland, doch
derselbe Terror wütete auch in vielen anderen Ländern. Ich
finde, es ist sehr wichtig, sich auch darüber zu
informieren. Diese Reise war ein einzigartiges Erlebnis -
für jeden von uns. Es ist unglaublich, wie in wenigen Tagen,
einige Mitreisende mir so ans Herz gewachsen sind, dass ich
fast gar nicht wieder nach Hause fahren möchte. Doch morgen
schon ist es soweit…
(Sina)
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