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HARTHEIM
- 7.Juni 2009 - Langsam aber unvermeidlich geht unsere Studienreise ihrem Ende entgegen. Hinter uns liegen Tage, randvoll angefüllt mit neuen Eindrücken und Informationen. Vieles was wir schon aus der Geschichte kannten, was sich für uns mit dem menschenverachtenden und verbrecherischen System des Faschismus verbindet, wurde für uns in völlig neuer Weise erfassbar. Manches auch bis heute noch unfassbar, weil schrecklich und erschreckend, hat sich uns unauslöschlich eingeprägt. Wir glaubten, das was wir bisher sahen und aus Zeitdokumenten und im Gespräch mit Zeitzeugen erfahren konnten, sei nicht mehr zu übertreffen. Doch was wir an diesem Tag sahen und erfahren konnten übertraf alles Bisherige. Es fällt schwer, das Grauen und Entsetzen zu beschreiben, was uns an diesem Ort erfasste, und es wird wohl noch lange dauern das zu verarbeiten. Der Ort des Grauens – die NS-Tötungsanstalt Hartheim. „Tötungsanstalt“ – allein mit dem Begriff konnte keiner von uns so recht etwas anzufangen. Wir hatten schon eine dunkle Ahnung, aber die Wirklichkeit überstieg unsere Vorstellungskraft. Hartheim, ein altes Schloss in einer beschaulichen Landschaft in der Nähe von Linz. Keiner ahnt auf den ersten Blick, was hinter diesen mächtigen Mauern verborgen lag. Es war eine der insgesamt sechs Tötungsanstalten der Faschisten, in denen kranke und behinderte Menschen systematisch ausgerottet wurden. Euthanasie – die Vernichtung und Ausrottung von Menschen, die in den Augen der Faschisten nicht lebenswert waren und deshalb getötet wurden. Menschen – Männer, Frauen, Kinder - vergast wie Ungeziefer.... Nahezu im 24-Stunden Takt wurden die dem Tod geweihten Menschen in Bussen herange-karrt – Tötungsanstalt, Tötungsmaschine, Tötungsfabrik ... trockene, technokratische Begriffe, die trotzdem genau das fassen, was hier gewollt war und geschehen ist. Hinter Sichtblenden verborgen wurden sie im Glauben, in ein neues Sanatorium verlegt worden zu sein, direkt nach der Ankunft zu den Gaskammern geführt. Die Zahl der von Mai 1940 bis Dezember 1944 auf diese Weise Ermordeten, wird auf über 30.000 Menschen geschätzt. Stumm standen wir vor den Spuren dieser Verbrechen und noch lange, nachdem wir unsere Blumen im Gedenken an die Ermordeten niedergelegt hatten, herrschte betretenes Schweigen. Der Rest des Tages verlief noch länger schweigend und still. Jeder hing zunächst seinen eigenen Gedanken nach und wir waren froh, dass der weitere Verlauf des Tages uns Raum ließ um das Gesehene und gehörte zu verarbeiten. (Dominik) |